G20-Initiative: Neue Identifikationspflicht für mehr Sicherheit bei „Finanz-Tsunamis“ tritt in Kraft

Studie belegt weiterhin mangelnde Transparenz in dem 470 Billionen Euro-Markt. Bis 12. Februar 2014 brauchen zehntausende Firmen die Kennnummer „LEI“

Frankfurt, 11. Februar 2014. Die Transparenz und Datenqualität im 470 Billionen Euro umfassenden Derivatemarkt gibt weiterhin Anlass zur Sorge: Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung von zehn Aufsichtsbehörden aus Europa und Nordamerika. Vor diesem Hintergrund gewinnt die neue LEI-Pflicht zusätzlich an Bedeutung. Zum Stichtag 12. Februar müssen allein in Deutschland zehntausende Unternehmen die neue, weltweit gültige Identifikationsnummer LEI vorweisen können. „Fehlende Transparenz im Derivatemarkt war eine der Ursachen für die weltweite Finanzkrise. Viele Banken haben 2008 über einen Monat gebraucht, um ihre verzweigten Derivategeschäfte zu entwirren“, sagt Markus Heer, stellvertretender Geschäftsführer der WM Gruppe, welche die Börsen-Zeitung herausgibt und den in Frankfurt ansässigen Finanzinformationsdienstleister WM Datenservice betreibt. Dieser ist seit April 2013 als erste LEI-Vergabestelle in Deutschland und seit Oktober 2013 auch international zugelassen. Seither vergibt das Unternehmen die Vorab-Nummer GEI, aus der dann automatisch der LEI wird (www.geiportal.org/).

Die LEI-Pflicht gilt zunächst für alle Firmen, die am Derivatehandel teilnehmen – einem Markt, dessen Volumen rund dem Zehnfachen des weltweiten Bruttoinlandsprodukts entspricht. Das LEI-System geht auf eine Initiative der G20 zurück. Dank der 20-stelligen Buchstaben- und Ziffernkombination ist künftig eindeutig zu erkennen, wer an Transaktionen beteiligt ist. In den USA ist der LEI bereits seit Mitte 2010 Pflicht, Europa zieht jetzt nach. Die neue Pflicht gilt für Großbanken genauso wie für exportorientierte Mittelständler und kleine Firmen, die sich gegen Währungsrisiken absichern möchten. Betroffen sind in Deutschland 30.000 bis 50.000 Unternehmen. „Bislang hat erst gut die Hälfte der Firmen die Nummer beantragt,“ sagt Heer und warnt: „Fehlt der LEI, drohen Bußgelder in sechsstelliger Höhe.“

Untersuchung der Aufsichtsbehörden deutet auf Handlungsbedarf hin
Auch fünf Jahre nach Beginn der Finanzkrise ist der Derivatehandel immer noch nicht vollständig transparent: Das zeigt die jetzt veröffentlichte Studie „Fortschrittsbericht über Kontrahentendaten“ der Senior Supervisors Group (SSG), die sich aus leitenden Vertretern von Aufsichtsbehörden aus zehn europäischen und nordamerikanischen Ländern zusammensetzt. Diese haben untersucht, ob 19 international tätige Großbanken heute wissen, mit wem genau sie Derivategeschäfte abschließen. Ergebnis der Untersuchung: „Der Fortschritt der Firmen hin zu einer einheitlichen, zeitnahen und exakten Berichterstattung über die wesentlichen Kontrahentenrisiken entspricht nicht den Erwartungen der Aufsichtsbehörden und auch nicht den selbst auferlegten Best Practices der Branche“, sagt Sarah Dahlgren, Vorsitzende der SSG. Insbesondere die Qualität der Daten gebe Anlass zur Sorge.

Künftig soll die LEI-Pflicht auf Unternehmen ausgeweitet werden, die nicht direkt im Handel mit Derivaten tätig sind, so Markus Heer von der WM Gruppe. Darauf haben schon zahlreiche Firmen reagiert und sich bereits jetzt ihren GEI gesichert – von der Bäckerei bis hin zu Baumarkt und Konzertagentur.

Vorteile des LEI im Überblick

  • Alle Beteiligten von Finanztransaktionen sind eindeutig identifizierbar, die Finanzmärkte werden dadurch transparenter.
  • „Klumpenrisiken“ werden schneller sichtbar, damit können Finanzinstitute Risiken besser steuern.
  • Die Qualität von Finanzdaten steigt.
  • Marktmissbrauch und Finanzbetrug werden eingeschränkt.
  • Der LEI ist auch ein Beitrag zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.

Über WM Datenservice
WM Datenservice mit Sitz in Frankfurt am Main ist ein führender Informationsdienstleister für die Finanzwirtschaft. Das Unternehmen verfügt über eine der weltweit größten Finanzdatenbanken und ist für die Vergabe der deutschen Wertpapier-Kenn-Nummer (WKN) und der International Security Identification Number (ISIN) deutscher Emittenten verantwortlich. Seit April 2013 ist WM Datenservice als erste Vergabestelle des LEI in Deutschland zugelassen, die internationale Zulassung hat das Unternehmen im Oktober 2013 erhalten. Das Unternehmen vergibt seitdem die Vorab-Nummer GEI, die im Rahmen der Meldepflicht von internationalen Regularien wie der European Market Infrastructure Regulation (EMIR) in der EU oder dem Dodd-Frank Act in den USA uneingeschränkt verwendet werden kann. Aus dem GEI wird später dann automatisch der LEI.

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